Rebel-Management-Training denkt nach!

Nadine Rebel

Moderne Hexenjagd

Gemini created Image. KI

Diesen Artikel  habe ich (selbstverständlich) verschlungen.

Warum? Weil die undifferenzierte Hexenjagd da draußen auch mich längst als Hexe auf den Scheiterhaufen gestellt hat.
 
Ich schreibe. Weil das, was in meinem Kopf herumspukt, einfach raus muss. Das geht meist ziemlich flüssig – die

Geschichten sind schließlich da, inklusive dem Eigensinn meiner Protagonisten und den seltsamen Windungen meines (scheinbar krankhaften) Hirns.
 
Mein Prozess? Völlig normal, dachte ich bisher: Ich habe die Geschichte im Kopf, setze mich hin und tippe. Kapitel für

Kapitel. Danach lese ich das Verfasste. Und dann kommt das große Streichen:

„Nein, passt nicht.“ – „Zu konstruiert.“ – „Um Himmels willen, was für ein

Kitsch!“
 
Es wird korrigiert, gefeilt, verworfen und neu poliert. Am Ende läuft die Rechtschreibprüfung drüber. (Ist das eigentlich

schon verwerfliches Handwerkszeug oder bereits der direkte Verkauf meiner Seele an den KI-Mephisto?)
 
Jetzt das große Geständnis: Ich bin Autorin.

Ich bin weder Zeichnerin noch Illustratorin. Für meine Buchillustrationen nutze ich gemeinfreie Grafiken – mit akribisch korrekter Quellenangabe im Impressum, wie es sich gehört. (Hier nicht. Aus Trotz!)
 
Aber bei den Covern beginge ich laut den Hütern der reinen Lehre den ultimativen FREVEL:
Ich zeichne mit meinen überschaubaren, maximal dilettantischen Fähigkeiten eine Idee auf, scanne sie ein und sage zur

KI: „Mach das bitte in schön.“
 
Zack – Urteil vollstreckt. Durchgefallen.
 
Allein dieses Vorgehen entlarvt mich in der digitalen Inquisition als Hexe. Oder zumindest als Heuchlerin, Nichtskönnerin,

Lügnerin und Betrügerin.
 
Am Anfang habe ich noch versucht, mich zu erklären. Ein fataler Fehler – denn es läuft exakt wie bei den historischen

Hexenverhören:
 
Sobald ich bekenne, dass ich neben der Rechtschreibprüfung auch Recherche über moderne Suchmaschinen betrieben habe

(die mittlerweile ohnehin mit KI-Algorithmen durchseucht sind), gelte ich als geständige Hexe. Der Scheiterhaufen brennt, die Fackeln sind entzündet. Jedes sachliche Argument wird reflexartig vom Tisch gewischt.
 
Während die Verlage zurecht vor billigem KI-Müll und automatisch zusammengeklöppelten Fake-Büchern warnen, werfen die

Empörungsapostel lieber gleich alles in einen Topf. Unterscheidungsvermögen?

Fehlanzeige.
 
Selbst wenn man der heiligen Inquisition entgegenhält, dass jeder menschliche Künstler von den Werken lernt, die vor ihm

da waren (ohne bei jedem Pinselstrich nachträglich Urheberrechtsabgaben zu überweisen), erntet man nur schockiertes Schnappatmen.
 
Niemand huldigt nach bestandener Führerscheinprüfung lebenslang seinem Fahrlehrer. Und unter keiner Rechnung

steht heute mehr der Vermerk „nach Adam Riese“.
 
Nur beim Thema KI wird plötzlich so getan, als sei jedes digitale Werkzeug, das den eigenen kreativen Prozess unterstützt,

der endgültige Untergang des abendländischen Geistes.
 
Wer meine Bücher liest, kann ohnehin nur zu einem einzigen Schluss kommen: Hier war in keinem Fall eine künstliche

Intelligenz am Werk – mitunter vielleicht noch nicht mal eine menschliche.
 
Ich habe das Experiment gemacht und meine fertigen Texte verschiedenen KI-Systemen vorgelegt. Mir ist natürlich völlig

bewusst, dass KI dem Fragenden (m/w/d) notorisch Honig ums Maul schmiert. Doch egal wie sehr ich nachgebohrt und gedrängt habe, die Rückmeldung blieb eindeutig: „Kann ich nicht. Ich kann so ähnlich schreiben – aber die feinen

Twists, den Humor, die bösen Spitzen und die Wortspiele bekomme ich so nicht hin.“
 
Schritt 2: Ich habe dieselben (mit meiner echten, vermeintlichen Intelligenz verfassten) Texte sogenannten KI-Detektoren

zum Fraß vorgeworfen. Das Ergebnis war eine Farce. Die Tools entschieden zwar blitzschnell, aber völlig willkürlich: 100 % menschlich, bescheinigten die einen. Garantiert KI!, kreischten die anderen beim selben Absatz.
 
Ich weiß, wie meine Geschichten entstehen.

Ich kenne jede durchtippte Nacht, jeden verworfenen Entwurf und jeden Herzblut-Satz. Ich weiß, dass ich keine Hexe bin.
 
Aber gegen eine heilige Inquisition, die keine Beweise braucht, sondern nur einen Grund zum Brennen, ist man eben

machtlos.
 
Und so schließt sich der Kreis: Wer meine Bücher tatsächlich liest, wirft mir zwar manchmal vor, ich hätte „mal wieder

ein Drama einbauen müssen“ (wobei ich da oft nur eine wahre Begebenheit

nacherzählt habe – also noch nicht mal besonders kreativ war). Aber diese Leser

spüren die Echtheit.
 
Problem an der Sache: Man müsste sie halt lesen, die Bücher.
 
Aber genau daran scheitert es meistens.
 
Gibt’s dafür eigentlich noch keine KI? Ah doch, stimmt ja: Rezensionen und Verrisse werden heute ja auch schon

fließbandmäßig von Algorithmen generiert.

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