Rebel-Management-Training denkt nach!
Nadine Rebel
Gaga ist das neue logisch!

Denken ist Glückssache und Glück hat bekanntlich nicht jeder (m, w, d). Wie gut, dass man es heute auch gar nicht mehr haben muss, denn das Denken wurde abgeschafft. Diese komische fehleranfällige Angelegenheit, belastet von Subjektivität und manchmal sogar von menschlicher Logik und gesundem Menschenverstand. Braucht keiner.
Neue Sklaventreiber
Heute ordnen wir uns schon längst neuen Sklaventreibern unter. Man nennt sie Algorithmen. Beispiel gefällig? Ein Mensch liest vor. Ein echter Mensch, mit echter Stimme, mit Intonation, Leben und Atem. Das System schlägt Alarm. Das System weiß es besser. Es analysiert die Schwingungen und fällt sein Urteil: Das ist Musik! Und noch viel schlimmer: Das ist eine Urheberrechtsverletzung!
Beweislastumkehr
Gegen wen eigentlich? Welcher schöpferische Geist wird hier beraubt? Welche Melodie wurde entwendet? Schweigen. Der Algorithmus spricht eben nicht mit jedem. Er fällt ein Urteil und der Angeklagte muss beweisen, dass das nicht stimmt. Ich meine, mich erinnern zu können, dass eigentlich immer derjenige, der eine Behauptung aufstellt in der Beweislast ist. Also bei Menschen war oder ist das so. Bei Algorithmen reicht die Behauptung. Die Magie des Codes hat gesprochen: Es klingt zu gut, rhythmisch, zu echt – es muss geklaut sein.
Tägliche Absurditäten – garantiert unlogisch
Gleichzeitig scrollt man durch den Posteingang, in dem die Vertreter der neuen Effizienz ihre Visitenkarten hinterlassen. „Hallo! Ich habe eure Website gesehen, die ist wirklich wunderschön. Wollt ihr eine neue kaufen?“ Ein meisterhafter Verkaufstrick. Warum auch nicht das Ersetzen, was man gerade gelobt hat? Gleich darunter die nächste digitale Glanzleistung: „Wir haben euch über Google gefunden! Eure Auffindbarkeit bei Google ist katastrophal, lasst uns das verbessern.“ Man möchte antworten, möchte fragen: Wenn ich unsichtbar bin, wie konntest du mich dann sehen? Bist du ein Hellseher oder einfach nur ein schlecht programmierter Bot? Aber Fragen sind in diesem System nicht vorgesehen.
Keine Fehler? KI KI KI
Und dann schreibt man einen Text. Einen Text, der Grammatik respektiert, der Absätze besitzt, der Argumente schlüssig aneinanderfügt und einen klaren Gedanken verfolgt. Das Urteil der digitalen Welt fällt prompt und ohne Zögern: „Das ist korrekt und logisch. Das MUSS von einer KI generiert sein.“
Wenn der Mensch den Maschinen zur Seite steht
Und viele menschliche Wesen springen dem Algorithmus helfend zur Seite. Nicht der Algorithmus hilft den Menschen, es ist schon längst umgekehrt. Gedankenstriche, Aufzählungen, Logik und ein roter Faden? Das schreit ja schon danach, dass es unter KEINEN Umständen von einem Menschen geschrieben worden sein kann. Menschen können das bekanntlich nicht. Nur Maschinen, die programmiert wurden.
Da schließt sich der Kreis.
Menschliche Stimmen werden zu Raubkopien erklärt. Völliger Unsinn wird als professionelles Marketing verkauft. Und wer noch in der Lage ist, einen geraden, logischen Satz zu formulieren, gerät unter den Verdacht, kein Mensch mehr zu sein.
Vielleicht hat die Technik den Menschen nicht ersetzt. Vielleicht hat sie ihm nur einen Spiegel vorgehalten – doch wir wollen nicht den Dorian im Spiegel sehen.
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