Rebel-Management-Training denkt nach!
Nadine Rebel
Mein Prinz im Herzen

Wir alle sind auf der Suche nach Anerkennung. Wir lieben Etiketten und Gütesiegel. Labels können Prädikate sein, die Qualität suggerieren und uns manchmal davor bewahren, selbst denken, sich selbst eine Meinung bilden zu müssen. Den Etikettenträger kann das Label adeln oder vernichten.
Doch diese Labels sind mit etwas verbunden, was gleichermaßen messbar und ebenso fernab von Gefühlen ist.
Meine Gedanken am Beispiel eines Prinzen festgemacht:
Als Kind unverstanden, als Erwachsene ein Kompass
Ich muss gestehen: Als ich Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry das erste Mal als Kind geschenkt bekam, fand ich es schlichtweg doof. Getarnt als vermeintliches „Kinderbuch“ blieb es mir in seiner melancholischen Fremdheit verschlossen. Ich war noch nicht soweit, den kleinen großen Helden zu erkennen.
Jahre später entdeckte ich das Buch neu und verliebte mich auf den zweiten Blick.
Plötzlich verstand ich die Tragweite, die feinfühlige Seele und die tiefe menschliche Weisheit, die zwischen diesen Zeilen liegt. Saint-Exupéry hat im vierten Kapitel etwas niedergeschrieben, das die Absurdität unserer modernen Leistungs- und Medienwelt treffend zusammenfasst:
„Die großen Leute lieben Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, fragen sie euch nie nach dem Wesentlichen. […] Sie fragen euch: Wie alt ist er? Wie viel Geld verdient sein Vater? Erst dann glauben sie, ihn zu kennen.“
Die Tyrannei der Zahlen
In unserer heutigen digitalen Kultur hat sich dieser Fokus auf nackte Zahlen ins Extreme gesteigert. Ob Aufrufzahlen auf TikTok, Follower-Statistiken oder eben die wöchentlichen Bestsellerlisten: Alles wird vermessen, gewogen und kommerziell optimiert.
Aber Zahlen berühren nicht das Herz.
Ein Buch, eine Geschichte, ein ehrlicher kreativer Impuls wird nicht dadurch wertvoll, dass hunderttausend Menschen es im Vorbeigehen konsumieren. Es wird wertvoll in dem Moment, in dem es in uns Resonanz erzeugt. Genau darum geht es in der berühmten Begegnung mit dem Fuchs: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Und: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Das gilt für menschliche Beziehungen ebenso wie für die Verbindung zwischen einem Autor und seinen Leserinnen und Lesern.
Der Gegenentwurf: Das REBEL Booklover-Siegel
Der kleine Prinz gehört zu den meistverkauften Werken der Weltliteratur – und raten Sie mal, wie viele SPIEGEL-Bestseller-Aufkleber auf der Erstausgabe prangten? Keinen einzigen. Das Buch ist ein klassischer Longseller, getragen von Generationen von Lesern, gewachsen durch echte emotionale Tiefe.
Deshalb habe ich mir erlaubt, den Spieß umzudrehen. Irgendwie ist der Name wohl schon wieder Programm. Egal.
Auf meinem Blog, in meiner Community und auf meinem YouTube-Kanal setze ich Kontrapunkte.
Mit dem salbeigrünen „REBEL Booklover – Platz 1“-Siegel küre ich die Bücher, die vielleicht keine Bestseller-Listen anführen, dafür aber ganz oben auf dem Treppchen meiner eigenen Gefühlswelt stehen.
Es ist eine Einladung an uns alle, sich von dem Diktat der bloßen Verkaufszahlen freizumachen und dem zu vertrauen, was uns wirklich berührt.
Und ich danke hier vor allem meinen „kleinen“ Lesern und Leserinnen, die mich dazu inspiriert haben. Weil sie dem kleinen Prinzen näher sind als mancher großer Mensch. Wie ich darauf komme: Die Vorlesenden meiner Kinderbücher schicken mir die Feedbacks. Sie erzählen davon, wie traurig die Kleinen sind, wenn das Buch zu Ende ist, aber auch, wie sie sich inklusive Schnappatmung und Lachtränen beim Zuhören amüsiert haben. Und ich weiß: Danke! Dafür schreibe ich. Das ist so unendlich wertvoll.
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